Rotenburger Rundschau Januar 2009

Die wahren schwarzen Perlen

Nicola Ackermann hat sich der Shetlandponyzucht verschrieben – Von Andrea Zachrau

Tewel.Wer im Reiterjargon von "den schwarzenrundschau 01-2009 sambuco.JPG Perlen“ spricht, meint aller Wahrscheinlichkeit nach die hochgewachsenen Friesen mit ihren wallenden Mähnen und prächtigem Behang. Wenn es nach Nicola Ackermann ginge, hätte aber eine ganz andere Pferderasse diesen Titel verdient: die Shetlandponys, die Zwerge unter den edlen Vierbeinern. An die hat die 39-Jährige nämlich ihr Herz verloren – und zwar schon von Kindesbeinen an.

"Mein erstes Shetlandpony Mäxchen bekam ich, als ich fünf Jahre alt war“, erzählt die Tewelerin. Der kleine Wallach begleitete sie fast 35 Jahre lang. Als er vor fünf Jahren starb, dachte sie zunächst nicht daran, ein neues Pferd zu kaufen. Dann stellte sich aber heraus, dass sich ihr Welsh-Pony einsam fühlte – und so kam die Versicherungskauffrau erneut zum Shetty. "Ich fuhr durch Verden und entdeckte durch Zufall einen Züchter“, erzählt sie. Als sie den damals einjährigen Sambuco sah, war es um sie geschehen: "Ich musste ihn einfach mitnehmen.“

Mit dem kleinen Rapphengst entdeckte sie die Liebe zum Shetlandpony komplett neu. "Ich begann mich für die Zucht zu interessieren und stellte Sambuco zur Körung vor.“ Der kleine Schwarze wurde ohne Probleme als Deckhengst zugelassen. Seine Besitzerin erklärt: "Ursprünglich waren alle Shetlandponys Rappen. Sambucos Ahnentafel reicht bis 1871 zurück – dort findet man auch Jack 16, den Stammvater der meisten englischen Linien.“ Im Züchterdeutsch beschreibt Ackermann den Stolz ihrer Zucht, der übrigens auch für fremde Stuten zum Deckeinsatz bereit steht: "Er ist ein ausdrucksstarker Hengst in dunkler Jacke mit starkem Fundament. Der kleine wohlgeformte Kopf mit breiter Stirn, geradem Nasenrücken und großem freundlichem Auge sind gewünschte Zuchtmerkmale.“

Wer einmal mit dem Shetty-Fieber infiziert ist, kommt so schnell nicht wieder davon los. Mittlerweile leben auf den Weiden hinter Ackermanns Haus sechs Exemplare der kleinen quirligen Pferdchen: Neben Sambuco, der in diesem Jahr sechs wird, gibt es noch seinen zweijährigen Sohn Ginolo, den Nicola Ackermann aus ihrer Staatsprämienstute Honey Rose selbst gezogen hat und den sie in diesem Jahr ebenfalls zur Körung bringen will. Hinzu kommt mit der fünfjährigen Veronique eine weitere prämierte Stute. Außerdem gibt es da noch die vierjährige Wyona und einen Wallach, der aufgrund seiner Größe nicht gekört wurde und Sambuco Gesellschaft leistet. Dass Stuten und Hengste getrennt gehalten werden, ist für die Tewelerin selbstverständlich, auch wenn jedes Jahr Nachwuchs geplant wird. "Das kommt sonst nur zu Reibereien“, sagt sie.

Obwohl Nicola Ackermann viele Jahre auch im Sattel unterwegs war, fehlt ihr das Reiten nicht. "Man sagt ja immer, dass Shetlandponys nur was für Kinder sind“, weiß sie. "Wer sich aber einmal mit der Zucht befasst hat, merkt, dass noch viel mehr dahinter steckt.“ Und auch mit den Zwergen unternimmt die Besitzerin viel: Jedes Jahr stehen Zuchtschauen an, auf denen die Vierbeiner präsentiert werden. Als besonders qualitätvoll erwies sich dabei Stute Honey Rose, die ursprünglich in Holland gezogen wurde. 2007 belegte die Pferdedame bei der Schau der Interessengemeinschaft Shetlandponyzüchter in Bad Harzburg den zweiten Platz; auf der Verdiana wurde sie 2008 sogar zur Siegerin gekürt. Und, darauf ist Nicola Ackermann besonders stolz: Bei der Europaschau in Redefin im vergangenen Jahr, an der Züchter aus 13 Ländern teilnahmen, wurde Honey Rose mit Silber ausgezeichnet. "Die internationalen Shetlandpony Games waren wirklich etwas Besonderes“, erinnert sich die Züchterin.

Bei allen Veranstaltungen kommt aber auch vor allem eins nicht zu kurz: Geselligkeit. "Die IG Shetlandponyzüchter ist wie eine große Familie.“ Sie habe über den Verband schon so manche Freundschaft geschlossen. Und auch ihr Lebensgefährte Matthias Möhrmann freundete sich schnell mit den schwarzen Perlen an. "Als ich mit der Zucht begann, war er schon sehr skeptisch“, erzählt Ackermann. Seit ihr Partner Honey Rose jedoch auf einer Schau vorstellte, war es auch um ihn geschehen. "Ihm liegen die Ponys genauso am Herzen wie mir.“

Dementsprechend fiebert das Paar nun gemeinsam auf den nächsten Fohlentermin hin, der noch im Frühjahr ansteht: Veronique bekommt Nachwuchs von Sambuco. Darüber hinaus hat sich die Züchterin zum Ziel gesetzt, ihre Prüfung im Kutschefahren zu bestehen, für die bereits fleißig geübt wird. Denn das Anspannen ist für Nicola Ackermann ebenso wichtig wie für andere Pferdebesitzer das Reiten. Daher hat sie auch einen besonderen Wunsch für die Zukunft: "Mein großer Traum ist, einmal vierspännig zu fahren.“ Das dürfte sich angesichts des rasanten Wachstums ihrer Zucht sicherlich realisieren lassen…

Foto: Zachrau
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